Sensiblisierung Wassertag Steinhausen

WASSERFUSSABDRUCK

Wir brauchen täglich Wasser. Zum Trinken, Kochen, Waschen, für die Toilettenspülung oder zum Tränken des Gartens. Etwas mehr als 140l pro Tag und Kopf verbrauchen wir in der Schweiz. Wasser ist aber auch elementarer Bestandteil in der Produktion unzähliger Güter. Konsumieren wir diese, hinterlassen wir durch die gesamte Wertschöpfungskette einen indirekten Wasserfussabdruck. Rechnet man dieses virtuelle Wasser hinzu, erhöht sich der gesamte Wasserverbrauch auf 4000l pro Tag und Kopf.


VIRTUELLES WASSER

Das Konzept des virtuellen Wassers berücksichtigt die Menge an Wasser, die während des Produktionsprozesses eines Guts anfällt. Beispielsweise besteht eine Jeans physisch kaum aus Wasser. Die Baumwollpflanze jedoch, aus der die Jeans besteht, braucht äusserst viel Wasser, weshalb der Produktionsprozess der Jeans entsprechend viel Wasser verbraucht. Dazu kommt der Wasserverbrauch des Herstellers, des Detailhändlers und des Endverbrauchers. In vielen Fällen wird Wasser bei den einzelnen Prozessen verschmutzt.


Beispiele von virtuellem Wasser

1kg Baumwolle = 10'000 Liter Wasser

1kg Rindfleisch = 15'400 Liter Wasser

1kg Tomaten = 214 Liter Wasser

1 Tasse Kaffee = 140 Liter Wasser

1 Computer = 20'000 Liter Wasser

1l Flaschenwasser = 4l Wasser


Anwendungen

Die Quantifizierung von virtuellem Wasser ermöglicht präzise und praktische Anwendungen. Sie macht Berechnungen zu globalen Strömen von virtuellem Wasser in Zusammenhang mit dem internationalen Warenhandel möglich. Dadurch gelingt es, Konsequenzen des globalen Handels auf lokale Wassersysteme besser zu verstehen und nötige Massnahmen zu ergreifen.


Die Weltbank schätzt, dass 20 Prozent der globalen industriellen Wasserverschmutzungen auf das Färben und sonstige Behandlungen von Textilien zurückzuführen sind.


Globaler Wasserverbrauch nach Sektoren

Mit Abstand am meisten Wasser verbraucht die Landwirtschaft. Darunter fällt die Herstellung von pflanzlichen und tierischen Produkten. Durchschnittlich 70% der globalen Wassernutzung entfallen auf die Bewässerung, 22% auf die Industrie und nur 8% auf private Haushalte. Ebenso ist die Landwirtschaft einer der Hauptverursacher von Wasserverschmutzung durch übermässigen Eintrag von Nährstoffen, Nitrat oder Pestiziden in Grund- und Oberflächengewässer.


Der weitaus grösste Teil des Wasserverbrauchs geschieht - für uns meist unsichtbar - ausserhalb unserer Haushalte bei der Produktion von Gütern. Als KonsumentInnen können wir aber auch hier Einfluss nehmen.


Lu Tourismus Pilatus 04

Die Schweiz: das Wasserschloss Europas

Die Schweiz weist enorm hohe Wasserressourcen auf. Innerhalb der verhältnismässig kleinen Landfläche lagern 5% der Wasserressourcen Europas. Gletscher, Seen und Grundwasser speichern grosse Volumen an zugänglichem Süsswasser, die geographische Lage bringt ausreichend Niederschläge mit sich. So hat die Schweiz heute das Privileg, den internen Wasserfussabdruck problemlos abzudecken. Doch macht dies nur einen kleinen Teil unseres gesamten Wasserfussabdrucks aus.

Die Schweiz: ein Wasserimport-Land

Abgesehen von Wasser besitzt die Schweiz vergleichsweise wenig natürliche Ressourcen. Um den Konsumbedarf abzudecken, importiert sie deshalb Güter aus aller Welt. Im Jahr 2015 bezifferte sich die Importbilanz auf 52 Millionen Tonnen Waren im Wert von 244 Milliarden Franken. In vielen dieser Güter steckt enorm viel Wasser. Deshalb ist die Schweiz trotz grossen Wasserressourcen ein Wasserimport-Land: Rund 80% unseres Wasserfussabdrucks entsteht im Ausland. Und dieser wächst mit zunehmender Globalisierung rapide an. So nahm der Wasserfussabdruck der in der Schweiz konsumierten Güter zwischen 1996 und 2011 um 60% zu.

Viele Güter stammen aus Regionen mit physischer oder wirtschaftlicher Wasserknappheit. Somit verschärfen wir mit unserem Konsum und Lebensstandard den Zustand lokaler Wasserressourcen und -qualitäten rund um die Welt.


Die Schweiz trägt indirekt zu sinkenden Grundwasserspiegeln oder der Wasserverschmutzung in Ländern bei, die Handelspartner der Schweiz sind.


ARTEN DES WASSERVERBRAUCHS

Um die Auswirkungen der Produktion von Gütern auf die lokalen Wasserressourcen und Wasserqualität anzugeben, reicht das reine Volumen nicht aus. Viel wichtiger sind die Art des Wasserverbrauchs und das Verhältnis von Bedarf zu natürlich vorhandenen Wasserressourcen. Man unterscheidet deshalb drei Arten des Wasserverbrauchs.

Istock 585587614

GRÜNES WASSER

Grünes Wasser bezeichnet das Volumen an verbrauchtem Regenwasser. Es ist in den meisten Fällen die nachhaltigste Art von Wasser, da das jährliche Niederschlagsvolumen nur bei grossen Änderungen der Wettermuster sinkt.

Blaues Wasser

BLAUES WASSER

Blaues Wasser bezeichnet das Volumen von verbrauchtem Oberflächen- und Grundwasser. Übersteigt die Entnahme den natürlichen Zufluss, z.B. durch Regen- oder Schmelzwasser, kann dies beträchtliche Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem nach sich ziehen.

Istock 876880612

GRAUES WASSER

Graues Wasser bezeichnet das Volumen an Süsswasser, das benötigt wird, um die bei dem entsprechenden Produktionsprozess anfallende Schadstoffbelastung aufzunehmen, sodass das Wasser anerkannten Qualitätsstandards entspricht. Ein hoher grauer Fussabdruck bedeutet demnach eine hohe Verschmutzung von Wasser.

Folgen des Wasserverbrauchs

Von Bedeutung sind insbesondere das blaue und das graue Wasser, da diese bei Übernutzung oder mangelhaftem Umgang die grössten Auswirkungen auf das regionale Wasser- und Ökosystem haben. Übersteigt die Nutzung von blauem Wasser, also See-, Fluss- und Grundwasser, den natürlichen Rückfluss, sinken die Gewässerspiegel ab. Dies belastet nicht nur das lokale Ökosystem, sondern führt aufgrund der Nutzung von blauem Wasser als Trinkwasserquelle zu Wasserknappheit für AnwohnerInnen. Es kommt zu Verteilungsschwierigkeiten, wovon meist die ärmste Bevölkerung betroffen ist. Genauso problematisch ist graues Wasser. Der Eintrag von verschmutztem, meist unbehandeltem Wasser in die Natur belastet lokale Ökosysteme enorm.


Blaues und graues Wasser sind die folgenreichsten Arten des Wasserverbrauchs. Übermässige Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser oder eine unkontrollierte Verschmutzung der Gewässer haben enorme Auswirkungen auf Ökosysteme und AnwohnerInnen.


Globaler Konsum - Globale Verantwortung

Unser täglicher Konsum vernetzt uns mit der ganzen Welt. Denn importierte Güter hinterlassen einen Fussabdruck über die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion über die Distribution bis hin zum Verbrauch und der Entsorgung. Daraus erwächst eine globale Verantwortung für soziale, ökologische und wirtschaftliche Umstände unserer Handelspartner.


Weltweit wird ein Drittel aller Nahrungsmittel in Gebieten mit hohem oder extrem hohem Wasserstress erzeugt.


WEITERSTÖBERN